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1:1 Regel in der Praxis


Sicher fliegen und Distanzen messen mit deiner Drohne!

Bestimmt geht es Dir genauso, wie vielen anderen Drohnenpiloten:

Du kennst zwar die 1:1 Regel, weisst aber nicht genau, wie Du diese richtig in der Praxis umsetzen kannst.

Denn wie soll man denn ständig die Entfernung von der Drohne zu einer unbeteiligten Person oder kritischer Infrastruktur messen, wenn man nicht gerade eine recht teure Drohne mit Laserentfernungsmesser hat?

Die gute Nachricht ist: es geht doch recht einfach und zwar mit fast jeder Drohne!

Aber eins nach dem anderen. Ich möchte Dir erstmal erklären, was die 1:1 Regel nochmal genau besagt:

Die 1:1 Regel

Nun, eigentlich ist es ganz einfach. Die 1:1 Regel besagt, dass die Flughöhe der Drohne nicht größer sein darf als der Abstand zu unbeteiligten Personen. Das heisst also, dass wenn Du 50m hoch fliegst auch einen Mindestabstand von 50m zu den unbeteiligten Personen einhalten musst. Fliegst Du nur 20m hoch, reicht ein Abstand von…. 20m, genau. 😉

Also, Du siehst das ist echt einfach.

Aber auch gleichermaßen wichtig, denn die 1:1 Regel dient dazu das so genannte Bodenrisiko, also das Risiko welches von deiner Drohne auf Objekte am Boden ausgeht, zu minimieren.

Wie funktioniert das?

Stelle Dir folgendes Szenario vor: Du fliegst mit deiner Drohne durch die Gegend und plötzlich fällt ein Motor aus. Bei den meisten Drohnen bedeutet das, dass die Drohne auf jeden Fall abstürzen wird.

Nun wird die Drohne aber nicht an Ort und Stelle senkrecht wie ein Stein zu Boden fallen, sondern dadurch, dass sie ja noch eine gewisse horizontale Geschwindigkeit besitzt, eine gewisse Strecke zurücklegen bis sie auf den Boden prallt. Diese Strecke ist hauptsächlich von der Höhe, der Masse der Drohne und natürlich von Ihrer Geschwindigkeit abhängig.

Hier mal ein Beispiel einer Drohne, welche in 50m Höhe mit einer Geschwindigkeit von 5 m/s fliegt und 900g (so wie die meisten Mavics) wiegt:

Simulation von Walter Fendt.

Simulation von Walter Fendt.

Du kannst hier sehen, dass die zurückgelegte Distanz nach dem Motorausfall noch 16m beträgt und es ca. 3s dauert bis die Drohne aufprallt.

Durch das Einhalten der 1:1 Regel haben wir hier also noch genügend Sicherheitspuffer übrig, um die unbeteiligten Personen nicht zu gefährden. Es sind genauer gesagt 50m - 16m = 34m.

Wiederholt man das Experiment mit der maximalen Geschwindigkeit von 21 m/s, so wird der Puffer deutlich kleiner, bzw. ist gar nicht mehr vorhanden. Die zurückgelegte Distanz nach Motorausfall beträgt dann 67m! 😳

Das ist zum Beispiel ein Grund dafür, warum man in der A2 Kategorie den Langsamflugmodus (max. 3 m/s) aktivieren muss, sobald man dichter als 30m an unbeteiligte Personen heranfliegt.

Gut, jetzt weisst Du schonmal was die 1:1 Regel ist, und warum man diese eingeführt hat.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema.

Wie kann ich die 1:1-Regel in der Praxis umsetzen?

Wir nutzen dazu ganz einfache trigonometrische Beziehungen. Einfacher gesagt: einfache Grundlagen von Dreiecken 😉 und ein Feature, welches die meisten Drohnen mit Kamera von Haus aus besitzen.

Und weil ich Dich jetzt nicht mit mathematischen Formeln belasten will, erkläre ich Dir direkt wie es in der Praxis funktioniert:

Wenn Du checken willst, ob Du die 1:1 Regel einhältst, kannst Du folgendes machen:

  1. Richte deine Kamera so aus, dass Du die unbeteiligte Person oder andere kritische Infrastruktur im Bild hast.
  2. Schwenke deine Kamera auf einen Winkel von 45° nach unten.
  3. Prüfe ob sich die Person in der oberen oder unteren Hälfte des Bildschirms befindet
    1. Obere Hälfte: ✅ alles Gut, Du hältst die 1:1 Regel ein
    2. untere Hälfte: 🚫 Du musst sofort deine Höhe verringern oder den Abstand erhöhen

So einfach ist das, aber ich sehe auch schon, dass Du vielleicht ein kleines Fragezeichen im Kopf hast. Vor allem beim 2. Punkt, denke ich. Wo bekommst Du den Neigungswinkel der Kamera her? Deshalb hier noch ein paar ergänzende Worte dazu.

Bei den meisten DJI Drohnen siehst Du auf dem Monitor auf der rechten Seite eine kleine Skala.

Diese ist meist recht transparent solange Du die Kamera nicht nach oben oder unten schwenkst, wird aber intransparent, sobald Du die Kamera schwenkst.

Auf dieser Skala kannst Du den Kameraneigungswinkel sehr gut ablesen. Bei manchen Modellen hast Du sogar Marker für die 45° Position.

Du verstellst den Winkel bei DJI Drohnen meist über ein kleines Drehrädchen an der Fernsteuerung.

Ok, wenn es Dich nicht interessiert warum das so ist, dann solltest Du den nächsten Abschnitt überspringen und hier weiter lesen.

Der mathematische Hintergrund

Wie schon oben erwähnt sind einfache trigonometrische Beziehungen der Grund dafür, dass man das so einfach machen kann.

Vielleicht weisst Du noch aus dem Matheunterricht in der Schule, dass die Summe aller Winkel in einem Dreieck 180° sein muss. In unserem Beispiel haben wir nun auch noch die Besonderheit, dass es sich um ein rechtwinkliges, gleichschenkliges Dreieck handelt:

Seite a ist auch gleichzeitig die Höhe der Drohne. Die abgebildete Kamera ist in einem 45° Winkel nach unten geschwenkt. Seite c ist der horizontale Abstand der Drohne zu der unbeteiligten Person. Der rechte Winkel ist zwischen den Seiten a und c.

In diesem rechtwinklingen Dreieck gilt a = c, also Höhe der Drohne über Grund ist gleich Abstand zur unbeteiligten Person.

Gleichung-Copteruni-1-1-Regel.

Gleichung-Copteruni-1-1-Regel.

Natürlich kannst Du das nur im flachen Gelände machen. Falls das ganze in absteigenden oder ansteigenden Gelände passiert, ist es nicht mehr so genau.

Falls Du nicht nur im Wald schläfst und einen buschigen Schwanz hast, sondern auch ein Fuchs bist, ist Dir vielleicht noch ein weiterer nützlicher Anwendungsfall aufgefallen…

Wie Du mit der Drohne Distanzen misst

Natürlich kannst Du diese Erkenntnis auch dazu nutzen, mit deiner Drohne Distanzen zu messen. Dazu gibt es 2 Möglichkeiten:

  1. Möglichkeit
    1. Bringe das Objekt, zu dem Du die Distanz messen willst in deinen Bildausschnitt
    2. Schwenke deine Kamera 45° nach unten
    3. Steige oder sinke solange, bis sich das Objekt in der Mitte des Bildes befindet
    4. Lese deine aktuelle Höhe ab. Das ist auch die Entfernung zum Objekt ✅
  2. Möglichkeit
    1. Bringe das Objekt zu dem Du die Distanz messen willst in die Bildmitte
    2. Lese deinen aktuellen Kamerawinkel und deine Höhe ab
    3. Benutze unsere PocketCard, um die aktuelle Distanz zu messen.
1-1-Regel-Copteruni

1-1-Regel-Copteruni

Die PocketCard benutzt Du übrigens folgendermaßen:

  1. Lese den Neigungswinkel der Kamera ab und steige mit diesem Wert in die 1. Spalte ein
  2. Dann schaust Du oben in der ersten Zeile und gehst so weit nach rechts, bis Du deine aktuelle Höhe gefunden hast.
  3. Der Schnittpunkt des Neigungswinkel-Zeile und der Höhen-Spalte ist deine Entfernung zum Objekt.

Damit es klarer wird, noch ein kleines Beispiel:

Ich fliege mit meiner Drohne aktuell in 70m Höhe und meine Kamera ist um 20° geneigt. Wenn Das Objekt nun in der Bildmitte ist, habe ich eine Entfernung von ca. 192m zum Objekt.

Super, oder?

Fazit

Mit diesen einfachen Tips, weisst Du nun wie Du ganz einfach die 1:1 Regel einhalten kannst ohne die große Unsicherheit des Schätzens zu haben. Gleichzeitig habe ich Dir auch noch gezeigt, wie Du mit deiner Drohne Distanzen relativ genau abmessen kannst.

Die PocketCard hilft Dir dabei, aus fast jeder Position die Entfernung zu etwas zu messen.

Ich empfehle Dir, das Ganze mal direkt für Dich draußen beim echten Fliegen auszuprobieren. Fliege dabei bewusst mal die unterschiedlichen Abstände wie 30m, 10m, oder auch 5m zu Dir an. Und Du wirst feststellen, dass Du unter Einhaltung der Regeln wirklich dicht an unbeteiligte Personen heranfliegen darfst.

Ich hoffe ich konnte Dir mit diesem Newsletter einen wirklichen Mehrwert bieten.

Über dein Feedback würde ich mich sehr freuen und natürlich kannst Du dieses Thema bei uns im Copteruni Campus ausgiebig diskutieren.

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Über den Autor:    Jan Evers

Jan Evers ist ein herausragender Personal Coach im Online-Kursbereich und ein anerkannter Experte auf seinem Gebiet. Mit einem Master of Science in Elektrotechnik verfügt er über umfangreiches technisches Wissen. In den letzten 10 Jahren hat Jan Drohnen nicht nur konstruiert und programmiert, sondern auch erfolgreich in großen Filmproduktionen wie "Deutschland von Oben" und verschiedenen Tatort-Folgen eingesetzt. Als aktiver Airline Pilot bringt er zudem wertvolles Fachwissen aus der professionellen Luftfahrt mit. Seine Erfahrung als Ausbilder für Airline-Piloten an einer renommierten Flugschule qualifiziert ihn besonders dafür, Lerninhalte effektiv und verständlich zu vermitteln. Jan Evers vereint Leidenschaft für Drohnen und Luftfahrt, was ihn zu einem exzellenten Coach und Mentor macht.

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